Bedrohte Affen Vietnams

Manche Populationen werden vom Menschen buchstäblich aufgefressen.

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Einführung

Ich bin mit dem Motorroller auf der vietnamesischen Halbinsel Son Tra unterwegs. Völlig unerwartet entdecke ich eine Kleinfamilie Rotschenkliger Kleideraffen (Pygathrix nemaeus) – ein ganz seltener Glücksfall.

In den Baumwipfeln schieben sie sich genüsslich ein Blatt nach dem anderen in den Mund. Nach einigen Minuten haben sie aber genug von mir und beschließen sich davonzumachen. Erst geht es von Baum zu Baum, dann endet jedoch der Wald an einem Hang und setzt sich erst nach einigen Metern deutlich tiefer fort. Das Männchen nimmt Anlauf und springt. Ruhig, mit voran gestreckten Armen gleitet es durch die Luft und landet sicher auf dem nächsten Baum. Nun ist der Nachwuchs dran. Auch er nimmt Anlauf und springt. Doch rudert er in der Luft wild mit den Armen und Beinen und erhascht gerade so den nächsten, kleinen Ast …

Eine Gruppe wildlebender Pandalanguren (Trachypithecus delacouri) im Van Long Nature Reserve. Foto: S. Elser.

Nachdem jahrzehntelang Kriege und die politische Isolation Forschungsarbeiten verhinderten, traten die Primaten Indochinas erst Anfang der 90er Jahre in den Fokus der Wissenschaftler.

Inzwischen sind 25 Affenarten in Vietnam beschrieben worden. Einige galten bereits als ausgestorben und wurden erst in den letzten zwanzig Jahren neu entdeckt.

So zum Beispiel der extrem seltene Pandalangur (Trachypithecus delacouri), der 1992 auf einer Expedition unter Leitung von Jörg Adler – dem Direktor des Allwetterzoos – im zerklüfteten Karstregenwald des Cuc Phuong Nationalparks wiederentdeckt wurde. Ebenfalls 1992 wiederentdeckt wurde der Tonkin-Goldaffe (Rhinopithecus avunculus), der zwar bereits 1912 in Nord-Vietnam beschrieben, seither aber nur anhand ausgestopfter Museumsexemplare studiert wurde.

Mittlerweile wurden zahlreiche Bestandsuntersuchungen durchgeführt und detailliertere Kenntnisse zur Bedrohungssituation und zum Lebensraum gesammelt.

Obwohl erst kürzlich wieder nachgewiesen, stehen mehrere Arten schon wieder kurz vor der Ausrottung. Sieben Arten gelten als ‚vom Aussterben bedroht‘, neun als ‚stark gefährdet‘.

Vietnams Primaten

Mit insgesamt 25 Taxa (Arten und Unterarten) hat Vietnam die größte Anzahl an Affenarten in Südostasien. Jedoch ist diese Artenvielfalt massiv gefährdet: Fünf Arten sind endemisch in Vietnam und zudem gelistet unter den 25 weltweit bedrohtesten Primatenarten. Die IUCN Red List listet 7 Arten als ‚Vom Aussterben bedroht‘, 9 Arten als ‚Stark gefährdet‘, 7 Arten als ‚Gefährdet‘ und nur zwei Arten als ‚Ungefährdet‘.

Nachfolgend stelle ich die 25 Arten vor:

Lori

Bei Lori handelt es sich um nachtaktive Baumbewohner. Sie sind relativ klein und bewegen sich langsam. Tagsüber schlafen sie zusammengerollt im dichten Pflanzenbewuchs und nachts gehen sie auf Nahrungssuche. Sie ernähren sich hauptsächlich von Insekten und Früchten. Aufgrund ihrer Nachtaktivität ist nur wenig über ihre Lebensweise, Verbreitung und Gefährdung bekannt. In Vietnam finden sich die zwei folgenden Arten:

  • Zwerglori (Nycticebus pygmaeus)

  • IUCN Red List: Gefährdet
  • Vietnam Red Data Book: Gefährdet
  • Verbreitung: nahezu gesamter Vietnam
  • Bengalischer Plumplori (Nycticebus bengalensis)

  • IUCN Red List: Gefährdet
  • Vietnam Red Data Book: Gefährdet
  • Verbreitung: Nord- und Zentralvietnam
Zwerglori (Nycticebus pygmaeus). Für ein nachtaktives Tier typisch sind die großen Augen. Foto: S. Elser.

Makaken

Bei den tagaktiven Makaken handelt es sich um eine relativ ungefährdete und weitverbreitete Primatengattung. Sie halten sich sowohl in Bäumen als auch auf dem Boden auf. Der Speiseplan ist vielfältig. Gegesssen werden Früchte, Nüsse, Samen, Rinde, Blätter ebenso wie Insekten, kleine Tiere und Eier. In Vietnam sind fünf Arten zu finden.

  • Stummelschwanzmakak (Macaca arctoides)

  • IUCN Red List: Gefährdet
  • Vietnam Red Data Book: Nicht gelistet
  • Verbreitung: nahezu gesamter Vietnam
  • Assam-Makak (Macaca assamensis)

  • IUCN Red List: Gefährdet
  • Vietnam Red Data Book: Nicht gelistet
  • Verbreitung: Nordvietnam
  • Rhesusaffe (Macaca mulatta)

  • IUCN Red List: Ungefährdet
  • Vietnam Red Data Book: Nicht gelistet
  • Verbreitung: Nordvietnam
  • Javaneraffe (Macaca fascicularis)

  • IUCN Red List: Ungefährdet
  • Vietnam Red Data Book: Nicht gelistet
  • Verbreitung: Südvietnam
  • Nördlicher Schweinsaffe (Macaca leonina)

  • IUCN Red List: Gefährdet
  • Vietnam Red Data Book: Gefährdet
  • Verbreitung: Zentral- und Südvietnam

Languren

In Vietnam lassen sich mehrere pflanzenfressende Affenarten aus der Gruppe der Schlankaffen finden. Sie sind tagaktiv und ernähren sich hauptsächlich von Blättern. Alle Arten sind bedroht, manche gelten gar als ‚Vom Aussterben bedroht‘.

  • Delacour-Schwarzlangur oder Panda-Langur (Trachypithecus delacouri)

  • Ehe diese Art 1992 von einer deutschen Expedition wiederentdeckt wurde, galt sie mehrere Jahrzehnte als ausgerottet. Kaum war sie wiederentdeckt, brach der Bestand auch schon um mehr als die Hälfte ein. Heute leben nur noch 200 – 300 Individuen im zerklüfteten Karstregenwald des Cuc Phuong Nationalparks. Noch mehr als die fortschreitende Rodung der verbliebenen Lebensräume ist die Jagd die größte Bedrohung.
  • IUCN Red List: Vom Aussterben bedroht
  • Vietnam Red Data Book: Vom Aussterben bedroht. Gelistet als einer der 25 weltweit am bedrohtesten Primatenarten. Endemisch in Vietnam.
  • Verbreitung: Nordvietnam
Ein Panda-Langur (Trachypithecus delacouri) im EPRC. Foto: S. Elser.
  • Goldkopf-Langur oder Cat-Ba-Langur (Trachypithecus poliocephalus)

  • Mit gerade einmal 50 freilebenden Exemplaren gilt der Goldkopf-Langur, der ausschließlich auf der Insel Cat Ba in der weltberühmten Halong-Bucht vorkommt, als bedrohteste Affenart und eine der seltensten Tierarten der Welt. Die 2001 durchgeführte Zählung war ein Schock, lebten doch in den 1960er-Jahren noch über 2.500 Tiere. Dank des 2000 begonnenen Cat Ba Langur Conservation Project, welches in Zusammenarbeit mit dem Allwetterzoo Münster, der Westfälischen Gesellschaft für Artenschutz (WGA), der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP) und dem EPRC entstand, stabilisierte sich zuletzt der Bestand.
  • IUCN Red List: Vom Aussterben bedroht
  • Vietnam Red Data Book: Vom Aussterben bedroht. Gelistet als einer der 25 weltweit am bedrohtesten Primatenarten. Endemisch in Vietnam.
  • Verbreitung: Nur auf der Insel Cat Ba
  • Indochinesischer Langur (Trachypithecus germaini)

  • Diese Art ist über ganz Indochina verbreitet, kommt in Vietnam jedoch nur im Süden vor. Der Lebensraum umfasst Küsten-, Mangroven- und Flusswälder.
  • IUCN Red List: Stark gefährdet
  • Vietnam Red Data Book: Nicht gelistet
  • Verbreitung: Südwestvietnam
  • Annam-Langur (Trachypithecus margarita)

  • IUCN Red List: Stark gefährdet
  • Vietnam Red Data Book: Nicht gelistet
  • Verbreitung: Südvietnam
Ein junger Cat-Ba-Langur (Trachypithecus poliocephalus) im EPRC. Foto: S. Elser.
  • Phayre-Brillenlangur oder Phayres Schlankaffe [vietnamesische Unterart] (Trachypithecus phayrei crepusculus) bzw. Grauer Langur (Trachypithecus crepusculus)

  • Der Phayre-Brillenlangur ist in mehreren Ländern Indochinas zu finden. Die vietnamesische Unterart, die auch in Bangladesch, Südchina, Südwest-Laos und Thailand zu finden ist, wurde 2004 in den Artrang erhoben und seither als Grauer Langur bezeichnet (Trachypithecus phayrei crepusculus). Auch die vietnamesische Unterart des Phayre-Langurs ist in seinem Fortbestand bedroht. Neben der Zerstörung seines Lebensraumes macht ihm eine Bejagung aufgrund des Fleisches und einer in der Traditionellen Chinesischen Medizin zugeschriebenen heilsamen Wirkung seiner Gallensteine zu schaffen.
  • IUCN Red List: Stark gefährdet
  • Vietnam Red Data Book: Gefährdet
  • Verbreitung: Nordvietnam
  • Tonkin-Schwarzlangur oder Francois-Langur (Trachypithecus francoisi)

  • Diese fast ganz schwarz gefärbte Langurenart wird wegen ihres weißen ‚Bartes‘ auch als Schnurbartlanguren bezeichnet. Der natürliche Lebensraum besteht aus zerklüfteten mit tropischem Regenwald bewachsenen Karstgebirgen im Grenzgebiet zwischen China und Vietnam. Während in China noch mehrere tausend Tiere existieren, besteht die vietnamesische Population vermutlich nur noch aus 200 Tieren.
  • IUCN Red List: Stark gefährdet
  • Vietnam Red Data Book: Gefährdet
  • Verbreitung: Nordvietnam
Ein vietnamesischer Phayre-Brillenlangur (Trachypithecus phayrei crepusculus) im EPRC. Foto: S. Elser.
  • Hatinh-Langur (Trachypithecus hatinhensis)

  • Der Hatinh-Langur ist nahe mit dem Tonkin-Languren verwandt und unterscheidet sich von ihm nur durch den bis hinter den Kopf verlängerten weißen ‚Bart’. Gleich nach seiner Entdeckung im Jahr 1970 war er über zwanzig Jahre verschollen. Erst 1992 wurde ein Exemplar auf einem Tiermarkt gefunden. Seit 1996 nahm der Zahl der beschlagnahmten Tiere stetig zu. Obwohl die Art streng geschützt ist, zeigt es, wie sehr sie doch der Wilderei unterliegt. Derzeit sollen noch um die 600 Tiere in Freiheit existieren.
  • IUCN Red List: Stark gefährdet
  • Vietnam Red Data Book: Stark gefährdet
  • Verbreitung: Zentralvietnam
  • Indochinesischer Schwarzlangur (Trachypithecus ebenus)

  • Erstmalig wurde dieser komplett schwarz gefärbte Langur vor über 70 Jahren auf einer zoologischen Expedition in Laos beschrieben. Ein einziger Schädel, das zugehörige Fell und ein paar Notizen stellten seither den einzigen Nachweis über die Existenz dieser Art dar – bis 1998, als er vom EPRC auf einem Markt beschlagnahmt wurde.
  • IUCN Red List: Gefährdet
  • Vietnam Red Data Book: Nicht gelistet
  • Verbreitung: Zentralvietnam
Ein Hatinh-Langur (Trachypithecus hatinhensis) im EPRC. Foto: S. Elser.

Kleideraffen

Die tagaktiven Kleideraffen sind relativ große, pflanzenfressende Affen, die nur in Indochina westlich des Mekong vorkommen (Vietnam, Laos und Kambodscha).

Noch bis Ende der 90er waren nur zwei Kleideraffenarten bekannt: Der in Kambodscha und Südvietnam vorkommende Schwarzschenklige Kleideraffe (Pygathrix nigripes) und der Rotschenklige Kleideraffe (Pygathrix nemaeus), welcher in Nord- bzw. Zentralvietnam, Laos und Kambodscha zu finden ist. Erst 1997 wurde eine dritte, bisher unbekannte Kleideraffenart von Mitarbeitern des EPRC entdeckt. Lange war unklar, ob es sich bei diesen grauschenkligen Tieren um eine eigene Art handelt. Letztlich wurden die Zweifel durch DNA-Analysen ausgeräumt und die Tiere als Grauschenklige Kleideraffen (Pygathrix cinerea) beschrieben.

Alle drei Arten sind von der Ausrottung durch den Menschen bedroht und benötigen dringend nachhaltige Schutzmaßnahmen.

  • Rotschenkliger Kleideraffe (Pygathrix nemaeus)

  • IUCN Red List: Stark gefährdet
  • Vietnam Red Data Book: Stark gefährdet
  • Verbreitung: Zentralvietnam
  • Schwarzschenkliger Kleideraffe (Pygathrix nigripes)

  • IUCN Red List: Stark gefährdet
  • Vietnam Red Data Book: Gefährdet
  • Verbreitung: Südvietnam
  • Grauschenkliger Kleideraffe (Pygathrix cinerea)

  • IUCN Red List: Vom Aussterben bedroht
  • Vietnam Red Data Book: Nicht gelistet. Gelistet als einer der 25 weltweit am bedrohtesten Primatenarten. Endemisch in Vietnam
  • Verbreitung: Zentralvietnam
Ein Rotschenkliger Kleideraffe (Pygathrix nemaeus) im EPRC. Foto: S. Elser.

Stumpfnasenaffen

Von den fünf bekannten Stumpfnasenaffenarten sind drei in China und je eine in Nordmyanmar und Vietnam beheimatet. Diese Affengattung ernährt sich überwiegend von Blättern und Früchten.

  • Tonkin-Stumpfnase oder Tonkin-Goldaffe (Rhinopithecus avunculus)

    Schon 1912 wurde der Tonkin-Goldaffe (Rhinopithecus avunculus) erstmalig in Nord-Vietnam beschrieben. Bald aber war er verschollen und die wenigen Kenntnisse über diese Art basierten auf Museumsexponate, bis sich 1992 Hinweise auf ein Überleben dieser Art ergaben. In weiterführenden Studien unter Leitung des ERPC zeigte sich, dass die Art extrem selten ist und nur etwa 150 bis 180 Tiere existieren, die durch ein von der ZGAP, dem Allwetterzoo und der WGA im Na Hang Nature Reserve initiiertes Schutzprojekt vor dem Aussterben bewahrt werden sollen.
  • IUCN Red List: Vom Aussterben bedroht
  • Vietnam Red Data Book: Vom Aussterben bedroht. Gelistet als einer der 25 weltweit am bedrohtesten Primatenarten. Endemisch in Vietnam
  • Verbreitung: Nordvietnam

Gibbons

Wer schon einmal – so wie ich – eine Gruppe Gibbons in den Morgenstunden erlebt hat, der wird begeistert sein. Schließlich handelt es sich um eine sehr musikalische Affengattung. Die chorartigen, melodischen Gesänge sind bereits aus großer Distanz zu vernehmen.

Bei den Gibbons handelt es sich um die einzigen in Vietnam vorkommenden Menschenaffen. Die Gattung ist dort mit insgesamt fünf Arten vertreten, welche alle stark gefährdet sind. Im Gegensatz zu den anderen vietnamesischen Affenarten werden sie aber kaum wegen ihres Fleisches bejagt. Vielmehr machen ihnen der zunehmende Verlust ihrer Lebensräume und eine Haltung von Gibbonbabys als Haustiere zu schaffen.

Die tagaktiven Gibbons ernähren sich von Früchten, Blüten und jungen Trieben, aber auch von Insekten, Vogeleiern und Jungvögeln. Mit ihren langen Armen und Beinen sind sie perfekt an ein Leben in den Baumwipfeln angepasst. Da sie sich nahezu immer in den Baumkronen aufhalten, sind sie extrem schwer zu beobachten und zu verfolgen. Somit ist bislang auch nur wenig über ihre Verbreitung, Bestandszahlen und Lebensweise bekannt.

  • Östlicher Schwarzer Schopfgibbon (Nomascus nasutus)

    Diese Art galt in Vietnam ebenfalls jahrzehntelang als ausgestorben, wurden sie doch seit den 1960er-Jahren nicht mehr gesichtet. Erst 2002 wurde eine kleine Gruppe in der Provinz Cao Bang wieder entdeckt.
  • IUCN Red List: Vom Aussterben bedroht
  • Vietnam Red Data Book: Nicht gelistet. Gelistet als einer der 25 weltweit am bedrohtesten Primatenarten. Endemisch in Vietnam
  • Verbreitung: Nordvietnam
  • Westlicher Schwarzer Schopfgibbon (Nomascus concolor)

  • IUCN Red List: Vom Aussterben bedroht
  • Vietnam Red Data Book: Stark gefährdet
  • Verbreitung: Nordvietnam
  • Südlicher Gelbwangen-Schopfgibbon (Nomascus gabriellae)

  • IUCN Red List: Stark gefährdet
  • Vietnam Red Data Book: Nicht gelistet
  • Verbreitung: Südvietnam
  • Nördlicher Weißwangen-Schopfgibbon (Nomascus leucogenys)

  • IUCN Red List: Vom Aussterben bedroht
  • Vietnam Red Data Book: Stark gefährdet
  • Verbreitung: Nordvietnam
  • Südlicher Weißwangen-Schopfgibbon (Nomascus siki)

  • IUCN Red List: Stark gefährdet
  • Vietnam Red Data Book: Nicht gelistet
  • Verbreitung: Zentralvietnam
Ein Paar Südlicher Weißwangen-Schopfgibbons (Nomascus siki) im EPRC. Das Männchen ist schwarz, das Weibchen gelb. Foto: S. Elser.

Cuc Phuong National Park & EPRC

Übersicht

Der etwa 100 km südlich von Hanoi liegende Cuc Phuong Nationalpark wurde 1962 als erster Nationalpark Vietnams eröffnet. Mit 222 km² ist er heute der sechstgrößte Nationalpark des Landes. Im Schwemmland des Roten Flusses (Song Hong) befindlich ist die Topographie des Parks durch Kalksteinklippen, die im Wesentlichen von tropischem Regenwald bedeckt sind, geprägt. Berühmtheit erlangte der Park, nachdem hier 1992 die bereits für ausgestorben gehaltenen Pandalanguren wiederentdeckt wurden.

Zu deren Schutz wurde am Parkeingang das Endangered Primate Rescue Center (EPRC) gegründet, das sich mittlerweile in hohem Maße um den Schutz der vietnamesischen Primaten verdient gemacht hat. Das EPRC finanziert sich durch den Zoo Leipzig, Eintrittsgelder und Spenden. In den folgenden Jahren folgten dem EPRC ein Zentrum zum Schutz der vietnamesischen Schildkröten (Turtle Conservation Center), die ebenfalls kurz vor der Ausrottung stehen, sowie ein Zentrum für kleine Raubtierarten und Schuppentiere (Carnivore & Pangolin Conservation Program).

Diese Zentren können ebenso wie der Park ganzjährig besucht werden. Neben diversen Tagestouren lassen sich im Park auch mehrtägige Erkundungen unternehmen. Eine Übernachtung im Park, zum Beispiel als ‚Homestay‘ bei den heimischen Muongs, ist möglich.

Cuc Phuong National Park

Der Nationalpark gilt als sehr artenreich. In den Wäldern wurden 89 Säugetier-, 110 Reptilien-, 65 Fisch- und 320 Vogelarten nachgewiesen. Berühmt ist Cuc Phuong aber vor allem für seinen extremen Insektenreichtum (ungefähr 1.800 Arten) und die Pandalanguren.

Zwischen Anfang März und Anfang Mai verwandeln Abermillionen Schmetterlinge den Park in ein buntes Meer. Die extrem seltenen Pandalanguren wurden zwar hier zuerst wiederentdeckt, sind jedoch aufgrund der Größe des Parks nahezu nicht zu beoabachten.

Zudem sind etwa 2.000 Pflanzenarten vertreten, darunter viele Orchideenarten und 37 Arten, die auf der Roten Liste Vietnams stehen.

Die beste Reisezeit für einen Besuch im Cuc Phuong National Park sind März/April und Oktober/November, da es im Mai sehr heiß und im Juni/Juli zwar kühler, dafür aber regnerisch ist. In den Wintermonaten ist es teils sehr kühl und feucht.

Die EU förderte zunächst die Errichtung von Infrastruktur beziehungsweise unterstützte die Erforschung mit 20 Mio. €. Heute werden Vietnams Nationalparks von der Regierung und über Tourismus finanziert.

Die meisten Touristen im Cuc Phuong National Park und Van Long Wetland Nature Reserve sind aus Korea und Frankreich, hingegen sind nur wenige aus Vietnam und Deutschland.

Ausflugsmöglichkeiten

Sie können Cuc Phuong auf mehreren markierten Wanderwegen erkunden, die von kurzen Spaziergängen über mehrstündige Fahrradtouren (Mountainbikes können vor Ort gemietet werden) bis zu mehrtägigen Treks mit Homestays in Muong-Dörfern reichen.

Empfehlenswerte Tagestouren sind ein 8 km – Rundwanderweg zu einem 1.000 Jahre alten Baum, der Gipfel des Silberwolkenbergs sowie eine Tour zur ‚Cave of the Prehistoric Man‘, in der Archäologen Überreste einer prähistorischen Besiedlung im Nationalparkgelände gefunden haben.

Führer und Karten sind beim Hauptquartier des Nationalparks erhältlich.

Zudem sollten sie unbedingt das Endangered Primate Rescue Center und das Turtle Conservation Center besuchen. Es lohnt sich.

Anreise

Mit dem öffentlichen Bus:

Diese Reisemethode stellt eine Herausforderung an ihre Belastbarkeit dar. In Hanoi müssen sie zunächst auf den südlichen Busbahnhof (Giap Bat). Dort kaufen sie in der unübersichtlichen, großen Tickethalle ein Busticket nach Nho Quan. Die Busse fahren mehrmals täglich, einmal nachmittags auch bis zum Cuc Phuong National Park (meist so gegen 14 Uhr). Danach geht es durch die Halle auf den dahinterliegenden Parkplatz, auf dem mehrere dutzend Busse warten. Lassen sie sich daher bereits am Ticketschalter unbedingt das KFZ-Kennzeichen ihres Busses notieren und steigen sie nur in diesen ein. Von Nho Quan fahren sie die letzten Kilometer mit einem Taxi oder Xe Om. Auch wenn sie den Bus bis Cuc Phuong genommen haben, kann es sein, dass der Busfahrer aufgrund weniger verbliebener Fahrgäste Nho Quan zur Endstation erklärt. Die Gesamtreisezeit beträgt etwa 3 Stunden.

Hanoi Tour Agencies:

Diverse Reiseagenturen bieten in Hanoi Tages- und Mehrtagestouren an. Die Anreisezeit beträgt: 2,5 – 3 Stunden.

Von Ninh Binh:

Von Ninh Binh erreichen sie mit einem Taxi oder einem Motorbike den Park innerhalb von 1 – 1,5 Stunden.

Carnivore & Pangolin Conservation Program

Das Carnivore & Pangolin Conservation Program (CPCP) wurde 1995 zur Erforschung und Erhaltung von kleinen Raubtierarten (Zibetkatzen (Viverra spec.), Linsangs (Prionodon spec.), und weitere Arten) sowie Schuppentieren (Manis javanica und Manis pentadactyla) in Vietnam gegründet. Im CPCP finden beschlagnahmte Tiere eine neue Heimat und werden gegebenenfalls ausgewildert. Neben der Zucht (vor allem das Zuchtprogramm für den Fleckenroller (Chrotogale owstoni), einer Schleichkatzenart, ist bedeutsam) betreibt das CPCP Aufklärungsarbeit der lokalen Bevölkerung und Feldstudien. Da das CPCP nachtaktive Tiere beherbergt, ist es für Touristen nicht zu besuchen. Ich hatte jedoch das Glück, dass mir ein Besuch gestattet wurde. Besonders angetan war ich von den Schuppentieren, die überdimensionierten Tannenzapfen gleichen.

Turtle Conservation Center

Auch viele Schildkrötenarten stehen vor dem Aussterben, so zum Beispiel die in Vietnam endemische Annam-Bachschildkröte (Cathaiemys annamensis). Wie für Primaten werden im Nationalpark auch Erhaltungszuchten für Schildkröten vorgenommen.

Das Turtle Conservation Center befindet sich ebenfalls am Parkeingang und kann von Touristen besucht werden.

Endangered Primate Rescue Center

Im Nationalpark Cuc Phuong gibt es eine einzigartige Rettungsstation für Primaten, das Endangered Primate Rescue Center (EPRC). Es wurde Mitte der 90er-Jahre unter deutscher Beteiligung aufgebaut, nachdem der bereits für ausgestorben gehaltene Pandalangur wiederentdeckt wurde.

Ein im EPRC nachgezüchteter Rotschenkliger Kleideraffe (Pygathrix nemaeus). Foto: S. Elser

Der 1932 in Vietnam erstmals beschriebene Delacour-Langur bzw. Pandalangur galt 60 Jahre lang als ausgestorben. Erst 1992 gelang der Nachweis, dass diese Affenart im Cuc Phuong Nationalpark noch existiert. Unter Tilo Nadlers Führung konnten nach jahrelanger mühsamer Suche weitere Populationen aufgespürt werden. Jedoch lebt nur ein kleiner Teil in geschützten Gebieten. Neben dem Biotopsverlust stellt die größte Gefährdung die Wilderei dar. Allein in den 90-er Jahren wurden über 300 Affen gewildert – was der Hälfte des Bestands entsprach. Aktuell leben noch 250 bis 300 Tiere in freier Wildbahn – mit weiter abnehmender Tendenz.

Das EPRC dient als Auffangstation für gewilderte und aus dem illegalen Tierhandel beschlagnahmte Affen. Inzwischen beherbergt es über 120 Tiere aus 15 Arten, darunter 6 Arten, die nur hier gehalten werden. Einige Affen leben im EPRC bereits in dritter Generation. Für viele dieser hochbedrohten Arten gelang dem EPRC der erste weltweite Zuchterfolg in Gefangenschaft. Mittelfristig sollen stabile Bestände in Gefangenschaft geschaffen und langfristig die Affen wieder in ihre natürlichen Lebensräume ausgewildert werden. Das funktioniert natürlich nur bei Vorhandensein geeigneter Habitate, so dass sich das EPRC um den Schutz der Lebensräume bemüht.

Ein wieder ausgewildeter Panda-Langur (Trachypithecus delacouri). Am Hals sehen sie das Funkhalsband, mit dem das Tier für bis zu ein Jahr nachverfolgt wird. Foto: S. Elser

Bei Wilderern beschlagnahmte oder verletzte Tiere werden zunächst sechs Wochen in einer Quarantänestation gehalten. Dort werden sie entwurmt und einem Gesundheitscheck (Herpes, Hepatitis, TBC) unterzogen.

Die Haltung und Ernährung der Tiere ist komplex und bedarf genauer Kenntnis über den Speiseplan. Dazu werden täglich 300 Kilo Blattwerk von 53 Pflanzenarten und über 30 Wurzelsorten verfüttert.

Außerdem setzt sich das EPRC für die Erforschung der indochinesischen Primaten ein. Durch Forschungsarbeiten und Expeditionen konnten mehrere als ausgerottet geglaubte Affenarten wieder aufgespürt, sowie ihre Verbreitung und Bedrohung studiert werden. Das Ergebnis war, dass die meisten Primaten Vietnams hoch bedroht sind. Unter den fünf bedrohtesten Affenarten weltweit sind drei vietnamesische Arten. Somit wurden Schutzprojekte, wie für den Tonkin-Goldaffen und den Goldkopflanguren, initiiert. Weitere Habitatschutzprojekte befinden sich in der Vorbereitung.

Dao Tien Endangered Primate Species Centre im Cat Tien National Park

Der 1978 unter Schutz gestellte Cat Tien Nationalpark ist einer der schönsten, wichtigsten und größten Nationalparks Vietnams. Er befindet sich etwa 160 km nördlich von Ho Chi Minh Stadt (Saigon) und besteht aus drei Teilen. Er hat eine Größe von 278 Quadratkilometer. Die Hälfte der Fläche ist mit Tieflandregenwald bedeckt. In Folge des amerikanischen Einsatzes von Herbiziden wie Agent Orange sind heute 40% der Fläche von Bambus und Gras bedeckt. Die restlichen 10% machen Flüsse und Sumpfflächen aus.

Am Parkeingang befindet sich das Dao Tien Endangered Primate Species Centre, das sich für den Erhalt von vier bedrohten Affenarten einsetzt und eine großartige Arbeit leistet. Auch es ist ein Besuch wert!

Cat Tien National Park

Der Park besticht durch eine außergewöhnliche Tierwelt. Zwischenzeitlich wurden 105 Säugetierarten, 351 Vogelarten, mehr als 120 Reptilien – darunter das Siam-Krokodil (Crocodylus siamensis) – und Amphibien sowie mehr als 130 Süßwasserfischarten nachgewiesen. Zudem finden sich im Park fast 460 Schmetterlingsarten und viele andere faszinierende Insekten.

Die Insel, auf der das Dao Tien liegt, befindet sich am Eingang zum Cat Tien Nationalpark.

Er beheimatet auch heute noch Asiatische Elefanten (Elephas maximus), Malaienbären (Helarctos malayanus) und den Gaur (Bos gaurus). Neben diesen Großtieren finden sich im Park unter anderem Schwarzschenkliger Kleideraffe (Pygathrix nigripes), Südlicher Gelbwangen-Schopfgibbon (Nomascus gabriellae), Javaneraffen (Macaca fascicularis), Schleichkatzen (Familie Viverridae), Hirschferkel (Moschiola spec.) und Spitzhörnchen (Scandentia spec.).

Nach neueren Untersuchungen gelten hingegen viele Arten, wie Banteng (Bos javanicus), Kouprey (Bos sauveli), Indochinesischer Tiger (Panthera tigris corbetti), Indochinesischer Leopard (Panthera pardus delacouri), Nebelparder (Neofelis nebulosa), Rothund (Cuon alpinus) und Kragenbär (Ursus thibetanus), als ausgestorben.

Das Gleiche gilt leider für die vietnamesische Unterart des Java-Nashorns (Rhinoceros sondaicus annamiticus). Lange galt es als ausgestorben, ehe 1992 eine kleine Population im Cat Tien Nationalpark entdeckt wurde. Dieser Sensationsfund verhalf dem Park zu einigem Ruhm weltweit. Seitdem im April 2010 das letzte bekannte Exemplar im Park tot aufgefunden wurde, gilt die Vietnamesische Unterart ebenso wie die Unterart aus Myanmar (Rhinoceros sondaicus inermis) als ausgestorben.

Auch die Avifauna ist reichhaltig. Hier kommen Doppelhornvogel (Buceros bicornis), Malaienente (Cairina scutulata), Brauner Pfaufasan (Polyplectron germaini), Elliotpitta (Hydrornis elliotii) und das seltene, endemische Davidwaldrebhuhn (Arborophila davidi) vor.

Derzeit besteht die Flora aus 1.610 nachgewiesenen Pflanzenarten aus 162 Pflanzenfamilien.

Ausflugsmöglichkeiten

Sie können Cat Tien auf mehreren markierten Wanderwegen erkunden, die von kurzen Spaziergängen über mehrstündige Fahrradtouren (Mountainbikes können vor Ort gemietet werden) bis zu mehrtägigen Treks reichen.

Eine empfehlenswerte Tagestour ist früh morgens eine mehrstündige Wanderung zu einer Gibbongruppe. Sie haben die Gelegenheit, Gibbons in freier Wildbahn zu beobachten und der Morgengesänge zu lauschen. Ebenfalls lohnen soll sich eine zweitägige Tour zu einem See im Park mit dortiger Übernachtung. Im See lebt das Siam-Krokodil (Crocodylus siamensis).

Karten sind beim Hauptquartier des Nationalparks erhältlich. Dort können sie auch geführte Wanderungen buchen und einen Besuch des Dao Tien Endangered Primate Species Centre organisieren. Es lohnt sich.

Anreise

Das Cat Tien Hauptquartier befindet sich etwa 160 km von Ho Chi Minh Stadt (Saigon) entfernt, von der es üblicherweise angereist wird. Zunächst fahren sie auf der Hauptstraße Richtung Da Lat (Route 20). Verlassen sie HCMC auf der Route 1A und fahren sie durch den Ballungsraum von Bien Hoa. Dann links auf die Route 20 bei Dau Giay abbiegen. Nach etwa 70 km bei Tan Phu links abbiegen. Ab da ist der Park ausgeschildert. Nachdem sie an ein paar Dörfer vorbeigekommen sind, fahren sie etwa 13 km weiter (bevor sie Talai erreichen) und biegen sie bei Phu Lap rechts ab. Links abbigen bei der Nui Tuong Kreuzung, dann rechts halten, dem Fluss folgen bis sie das Dorf Nam Cat Tien erreichen (AP 5). An der Kreuzung links abbiegen und für 1 km geradeaus bis zur Fähre, die sie über den Fluss zum Cat Tien Hauptquartier bringt.

Alternativ existiert für Reisende aus Da Lat und dem Norden eine kleinere Straße nach Nam Cat Tien. Zunächst müssen sie rechts abbiegen (derzeit nicht ausgeschildert!), nachdem sie das Stadtzentrum von Ma Da Gui südwärts auf der Route 20 passiert haben. Nach etwa 6 km rechts abbiegen, dann auf der AP 6 für 2 km weiterfahren. Danach schließt sich eine ziemliche Schlaglochpiste für etwa 7 km an, bevor sie das Dorf Nam Cat Tien erreichen. Hier für etwa 1 km geradeaus zur Fähre, die sie über den Fluss zum Cat Tien Hauptquartier bringt.

Dao Tien Endangered Primate Species Centre

Hintergrund

Die Initiative für das Zentrum kam von Jim Cronin, dem Gründer von Monkey World – Ape Rescue Centre, UK. In Zusammenarbeit mit dem Cat Tien Nationalpark, dem Vietnamese Forestry Protection Department, Monkey World – Ape Rescue Centre, UK, und dem Pingtung Rescue Centre, Taiwan, wurde das Zentrum 2008 offiziel eröffnet.

Das Zentrum befindet sich am Parkeingang auf einer 57-Hektar großen Insel und ist auf die Befreiung, soziale Wiedereingliederung und Auswilderung von stark gefährdeten Affenarten der Region spezialisiert. Alle in Dao Tien befindlichen Affen stammen aus einer illegalen Haltung oder wurden bei Wildjägern konfisziert.

Bedeutung von Rehabilitationszentren

Seit 1992 ist die Jagd auf gefährdete Primaten in Vietnam verboten. Dennoch stellt diese die größte Bedrohung für das Überleben der Wildpopulation dar. Primaten werden gejagt wegen ihres Fleisches, einer Verwendung in der Traditionellen Chinesischen Medizin sowie für den Handel als Haustiere.

Schild am Eingang zum Dao Tien.

Die kommerzielle Jagd hat in den letzten Jahren dramatisch zugenommen. Einerseits spielt hier der wirtschaftliche Aufschwung in Vietnam eine wichtige Rolle. Primatenfleisch gilt als Delikatesse und wird von den zunehmend einkommensstarken Vietnamesen als ‚In-Food’ betrachtet. Daneben spielt der illegale Handel vor allem mit China eine bedeutende Rolle. Dort werden vietnamesische Tiere vor allem im Rahmen der Traditionellen Chinesischen Medizin nachgefragt. So werden Primatenknochen zum Beispiel für die Behandlung von Rheumaerkrankungen verwendet. Die langsame Reproduktionsrate von Primaten kann den erhöhten Jagddruck nicht ausgleichen.

1994 trat Vietnam der Convention on International Trade in Endangered Species (CITES) bei. Nun waren zwar die formalen Voraussetzungen für eine Beschlagnahmung geschaffen, fehlte es aber noch an den realen Umsetzungsmöglichkeiten. Was sollte mit sozial gestörten, entkräfteten Primaten geschehen? Der Bau von Primatenzentren, in denen eine soziale Wiedereingliederung und ein Aufpäppeln der konfiszierten Tiere erfolgt, war unumgänglich.

Eine Infotafel im Dao Tien zu Zwerglori (Nycticebus pygmaeus).

Aufgrund des unverändert bestehenden Jagddrucks werden Wildpopulationen zunehmend dezimiert. Durch eine Auswilderung gefangener Tiere kann das Zusammenbrechen von Populationen vielleicht nicht vermieden, so aber zumindest verlangsamt werden. Zudem spielen die Primatenzentren eine wichtige Rolle in der Öffentlichkeitsarbeit. Ohne sie würde das weltweite Artensterben unbemerkt von der Weltöffentlichkeit stattfinden.

Es liegt mit an Ihnen, das Artensterben zu stoppen. Egal ob sie sich in Naturschutzverbänden organisieren, in Ihrem Konsumverhalten anpassen, in Ihrem politischen Verhalten entsprechend positionieren, einen monetären Beitrag leisten – sei es durch eine Spende oder eine Patenschaft – oder Ihre soziales Umfelds für dieses Thema sensibilisieren: Sie können etwas bewirken. Sie können das weltweite Artensterben und den Verlust einzigartiger Lebensräume verlangsamen. Gewiss nicht alleine, aber zumindest können Sie Ihr Scherflein beitragen.

Arten im Dao Tien Endangered Primate Species Centre

Südlicher Gelbwangen-Schopfgibbon (Nomascus gabriellae)

Das Dao Tien Primatenzentrum arbeitet eng mit dem Vietnamese Forestry Protection Department zusammen. Gemeinsam werden illegal gehaltene Gibbons konfisziert. Von diesen werden geeignete Kandidaten für eine Wiederauswilderung ausgewählt und vorbereitet. Dabei durchlaufen sämtliche Gibbons einen zeitaufwändigen Prozess, der zunächst einen Gesundheits-Check sowie eine DNA-Analyse mittels Haarprobe umfasst. Nach einer initialen Quarantäne werden sie zunächst in kleinen Gruppen gehalten, ehe sie ein „Baumtraining“ in einem großen bewaldeten Außengehege durchlaufen. Werden alle Etappen erfolgreich gemeistert, so findet eine Wiederauswilderung im tropischen Regenwald statt, wo sie bis zu einem Jahr mittels Radio-Tracking nachverfolgt werden. Tiere, die an einer dieser Stufen scheitern, finden ein neues Zuhause in einem kleinen Auffangschutzgebiet.

Schwarzschenkliger Kleideraffe (Pygathrix nigripes)

Diese stark gefährdeten Vertreter der Schlankaffen leben hauptsächlich in den Baumkronen. Durch gelegentliche Ausflüge auf den Boden können sie in dort ausgelegte Fallen geraten, wesentlich häufiger werden sie aber wegen ihres Fleisches geschossen – zumal die Innereien von Kleideraffen eine begehrte und teure Delikatesse darstellen.

Ihr Aussehen hebt sie hervor unter Vietnams Primaten, sehen sie doch aus, als wären sie adrett gekleidet: Schwarze Schuhe, schwarze Hose, schwarze Ärmel, dunkelgraue Weste, orangener Kragen. Zugleich wird ihnen diese Attraktivität zum Verhängnis. Teilweise fristen sie ein jämmerliches Dasein in viel zu kleinen Käfigen in Privathaushalten, Restaurants oder Hotels.

Die tagaktiven Kleideraffen ziehen von Baum zu Baum auf der Suche nach jungen Blättern. Das Nahrungsspektrum ist breit gefächert und umfasst etwa 200 Baumarten. Aufgrund der spezialisierten Ernährungsweise haben schon Zoos Probleme in der artgerechten Haltung und sind außerhalb Vietnams bislang an der Nachzucht gescheitert. In der illegalen Privathaltung sterben Kleideraffen meist schon nach kurzer Zeit aufgrund der falschen Ernährung.

Konfiszierte Tiere werden in das Dao Tien Primatenzentrum gebracht, wo sie einen Gesundheitscheck bekommen und mit einheimischen Blättern aufgepäppelt werden. Sobald als möglich erfolgt die Auswilderung. Inzwischen hat sich im Cat Tien Nationalpark eine kleine, gesunde Gruppe unter der Führung eines 2009 freigelassenen Männchens etabliert.

Annam-Langur (Trachypithecus margarita)

Annam-Languren ernähren sich hauptsächlich von Blättern, essen gelegentlich aber auch Früchte, Samen, Blüten und junge Triebe. Auffallend sind die Jungtiere, die mit hellorangenem Fell geboren werden. Um die Jungtiere kümmern sich die Weibchen der Gruppe gemeinsam. Annam-Languren sind noch relativ unerforscht, ebenso ist die genaue Anzahl der Populationsgrößen unbekannt. Sie kommen vor allem in Wäldern an Flussufern vor, im Cat Tien Nationalpark finden sich vier Bereiche, in denen sie vorkommen. Die Gruppengröße bewegt sich zwischen 9 – 51 Tiere in den insgesamt 12 bekannten Gruppen.

Zwerglori (Nycticebus pygmaeus)

Dem nachtaktiven Zwerglori wird wegen seines Fleisches, einer Verwendung in der Traditionellen Chinesischen Medizin und einer Haltung als Haustier nachgestellt. Konfiszierte Loris werden in das Dao Tien Primatenzentrum gebracht und werden von dort wiederausgewildert. Alle Rückkehrer in die Wildnis sind mit Senderhalsbändern ausgestattet. Damit liefern sie wichtige Daten für weitere Schutzmaßnahmen. Zudem verstärken sie Wildpopulationen, die immer mehr unter einem Verlust ihrer Habitate und der Bejagung leiden.

Links und Buchtipps

Endangered Primate Rescue Center. Auf der englischsprachigen Seite des EPRC finden sie Informationen zu dem Center und den dort gehaltenen Arten.

Cuc Phuong National Park. Englischsprachige Seite des Nationalparks mit vielfältigen Informationen.

Cat Tien National Park. Englischsprachige Seite des Nationalparks mit vielfältigen Informationen.

Dao Tien Endangered Primate Species Centre. Offizielle, englischsprachige Seite des Rescue Centres im Cat Tien National Park.

Monkey World – Ape Rescue Centre. Wurde 1987 als eines der weltweit ersten Primatenrettungszentren gegründet. Ursprüngliche Mission war es, eine neue Heimat für konfeszierte Schimpansen zu sein. Inzwischen beherbergt es eine Reihe weiterer Affenarten.

Pingtung Rescue Center for Endangered Wild Animals. Wurde 1993 durch die taiwanesischen Behörden an der Pingtung University of Science and Technology gegründet, um illegal in das Land geschmuggelten Wildtieren eine Unterkunft zu bieten.

Buchempfehlung:

Conservation of Primates in Indochina Conservation of Primates in Indochina

by Tilo Nadler, Benjamin Miles Rawson & Van Ngoc Thinh

ISBN 978-300031131-4