Alpen

Flachmoor – Beet

Im Überblick

Einsetzende Verlandung in einem 17 Jahre alten künstlichen Teich.
Laubfrosch (Hyla arborea).

Stehende Gewässer zeigen langfristig eine Tendenz zur Verlandung, sofern sie nicht ständig von Wasser durchflossen werden, das die sich ablagernden Sedimente wegspült. Zum einen kommt es durch die Sedimentation zu einer steten Reduktion der Gewässertiefe, daneben verlandet das Gewässer vom Ufer zum Zentrum hin. Zunächst entwickelt sich ein Uferröhricht, das vor allem durch Rohrkolben und Schilf geprägt ist. Später siedeln sich zusätzlich Seggen, Binsen und Wollgräser an. Das Gewässer entwickelte sich durch Verlandung von einem Röhricht zu einem Flachmoor, das nach wie vor von Bodenwasser gespeist wird und somit noch einen höheren Mineralstoff- und Nährstoffgehalt aufweist. Flachmoore sind sehr artenreiche Biotope. Sie beherbergen eine Reihe von Orchideenarten, daneben als fleischfressende Pflanzen Fettkräuter und Wasserschlaucharten. Weiterhin kommen hier Fieberklee, Mehlprimel, Trollblume und Enzianarten vor, um nur einige Pflanzen zu nennen.

Projekt

Erläuterung des Baus und schematische Darstellung

Mit Sand ausgepolsterte Baugrube.
Inzwischen wurden die Folie und die internen Wasserspeicher verbaut. Die Zischenräume wurden mit Torf verfüllt. Nun wird die kalkreiche Zwischenschicht aufgebracht.

Die grundlegenden Prinzipien des Baus eines Moorbeets habe ich bereits auf der Seite Hochmoorbeet beschrieben. Von diesen Prinzipien weicht auch ein Flachmoorbeet nicht wesentlich ab. Auch hier ist der Einbau eines ausgeprägten internen Wasserspeichers obligat. Ein offener Wasserspeicher in Form eines kleines Teichs zum Beispiel für die Haltung von einheimischen Wasserschlaucharten ist sinnvoll, jedoch nicht zwingend notwendig.

In zwei Punkten unterscheidet sich das Flachmoor ganz entscheidend von einem Hochmoor. Zum einen im ph-Wert, zum anderen im Nährstoffgehalt. Während das Hochmoor sehr sauer (ph-Wert < 4) und extrem nährstoffarm ist, liegt der pH-Wert im Flachmoor um 7 und der Nährstoffgehalt dort ist deutlich höher.

Nun wurde auch die Deckschicht aus Torf aufgebracht.

Skizze eines Moorbeets Diese Unterschiede müssen selbstverständlich bei der Anlage und späteren Pflege des Flachmoorbeets berücksichtigt werden. Die Zwischenräume des Moorbeets werden ebenfalls mit Hochmoortorf verfüllt. Anschließend folgt jedoch eine 10 – 15 cm hohe kalk- und nährstoffreiche Zwischenschicht. Diese Schicht sollte aus etwa 50% Torf, 25% kalkhaltigem, scharfem Sand und 25% Kalksplitt gemischt sein. Zuletzt erfolgt eine dünne Deckschicht aus Torf oder teilweise Rindenmulch. Jährlich sollte das Beet im Herbst gemäht werden und das Schnittgut für einige Tage auf diesem liegenbleiben, damit möglicherweise noch vorhandene Samen sich aussäen. Anschließend wird das Schnittgut abgeräumt. Da durch die Mahd dem Flachmoorbeet Nährstoffe entzogen werden, müssen diese in Form einer Düngung mit einem Kalium- und Phosphor-lastigem Dünger im April und im Sommer wieder zugeführt werden. Einer oberflächigen Versauerung kann man mit dem sparsamen Ausbringen von Dolomitenkalk im Herbst entgegenwirken.

Geeignete Pflanzen für eine ganzjährige Freilandhaltung

Zu verschiedenen Tabellen mit Pflanzen, die ganzjährig für eine Freilandhaltung im Moorbeet geeignet sind, gelangen Sie hier.

Entwicklung

2013

Das Beet im Hochsommer 2013. Im Hintergrund sind einige blühende Orchideen zu sehen.

Das Flachmoorbeet zeigt im ersten Jahr eine erfreuliche Entwicklung. Die im Vorjahr gekauften Orchideen blühen schön und haben sich teilweise durch Rhizomteilung vermehrt. Die meisten eingesäten Arten sind gekeimt. Die Krebsschere (Stratiotes aloides) und der Südliche Wasserschlauch (Utricularia australis) wuchern die offenen Wasserflächen geradezu zu und erfreuen durch eine Unzahl an Blüten. Mitte des Jahres wachsen insgesamt 24 Pflanzenarten im Beet.

Auch faunistisch ist das Beet ein Erfolg. Bereits wenige Wochen nach Anlage waren Wasserläufer und diverse Wasserkäfer zu finden. Im Wasser tummeln sich Larven diverser Insektenarten, was ein Eldorado für den Wasserschlauch darstellt. In diesem Frühjahr sind zudem einige Bergmolche (Ichthyosaura alpestris) zugewandert und haben das Beet als ihren Laichplatz angenommen.

Im sehr heißen Juli musste ich einmal Wasser nachfüllen, ansonsten klappte die Selbstregulation des Wasserhaushalts bislang sehr gut.

2014

Ein Steinmarder, kurz nachdem er im Flachmoor getrunken hat.

Auch das zweite Jahr gestaltete sich erfreulich. Insbesondere die Wollgräser vermehrten sich durch Ausläufer. Ebenso wucherte die Krebsschere (Stratiotes aloides). Das Großblütige Fettkraut (Pinguicula grandiflora) verzwanzigfachte seinen Bestand. Die Orchideen hingegen litten etwas unter Schneckenfraß.

Der Bergmolch (Ichthyosaura alpestris) laichte erneut ab, viele Libellenlarven sind heuer zu Libellen herangewachsen. Zudem habe ich einen Steinmarder (Martes foina) beim Trinken aus dem Flachmoor gesichtet.

2015

Als zweite Amphibienart nahm dieses Jahr neben dem Bergmolch (Ichthyosaura alpestris) der bedrohte Laubfrosch (Hyla arborea) das Biotop als Laichgewässer an. Anfang Mai schlüpfen an sonnigen Tagen insgesamt dutzende Libellen, überwiegend weibliche Plattbäuche (Libellula depressa).

Im Mai dominieren das Schmalblättrige Wollgras (Eriophorum angustifolium) und das Russische Wollgras (Eriophorum russeolum) das Moorbeet mit ihren wattigen weißen und orangen Samenständen. Hierzu kontrastieren dutzende lilane Blüten des Großblütigen Fettkrauts (Pinguicula grandiflora) und des Gewöhnlichen Fettkrauts (Pinguicula vulgaris).

Fotos

Hier wird gerade die Abgrenzung aus Rundhölzern zugeschnitten und miteinander verschraubt.
Das Beet im Hochsommer 2014.
Junger, weiblicher Plattbauch (Libellula depressa).
Dactylorhiza maculata im eigenen Flachmoorbeet.
Krebsschere (Stratiotes aloides) und Südlicher Wasserschlauch (Utricularia australis).
Russisches Wollgras (Eriophorum russeolum).
Großblütiges Fettkraut (Pinguicula grandiflora).
Frisch geschlüpfter Plattbauch (Libellula depressa).
Weiblicher Plattbauch (Libellula depressa), im Hintergrund ein Laubfrosch (Hyla arborea).
Schachbrettblume (Fritillaria meleagris).
Schmalblättriges Wollgras (Eriophorum angustifolium).
Nachts rufender Laubfrosch (Hyla arborea) mit Kehl-Schallblase.