Wacholderheide

Im Überblick

Wacholderheide im Landkreis Heidenheim im August 2011.

Wacholderheiden sind Biotope, deren Landschaftsbild vom Gewöhnlichen Wacholder (Juniperus communis) geprägt sind. Die Biotope sind meist mit Halbtrockenrasen oder Trockenrasen bewachsen. Durch die kontinuierliche Beweidung mit Schafen entwickelten sich meist auf sonnig exponierten Hängen auf Kalkunterlage in Baden-Württemberg Halbtrocken- bis Trockenrasen, auf denen sich der lichthungrige Wacholder stark ausbreiten konnte. Diese Biotope sind bis heute für die Schwäbische Alb, an derem Rand ich aufgewachsen bin, landschaftsprägend.

Die Wacholderheiden des süddeutschen Raumes weisen fast alle als Pflanzengesellschaft einen Enzian-Schillergras-Halbtrockenrasen (Gentiano-Koelerietum) auf. Prägende Grasarten sind die Fieder-Zwenke (Brachypodium pinnatum), der Schafschwingel (Festuca ovina), das Wiesen-Kammgras (Cynosurus cristatus) und das Pyramiden-Schillergras (Koeleria pyramidata). Diesen Gräsern gemeinsam ist der kurzhalmige und teils queckenähnliche Wuchs. An weiterer Vegetation finden sich auf Wacholderheiden Arten, die mit den nährstoffarmen und trocken-warmen Bedingungen einerseits und mit dem hohen Beweidungsdruck andererseits zurechtkommen. Wacholderheiden sind daher eher artenarme Standorte.

Folgende Anpassungsmechanismen an den Beweidungsdruck wurden entwickelt:

  • bitterer oder scharfer Geschmack sowie giftige Inhaltsstoffe
  • mechanische Abwehrmechanismen (Dornen, Stacheln oder Nadelblätter)
  • rosettenartiger Wuchs und Vermehrung durch unterirdische Ausläufer
Wacholderheide im Landkreis Heidenheim im August 2011.

Zu der Gruppe der Pflanzen mit bitteren Inhaltsstoffen gehören die Enziane, wie der Frühlingsenzian (Gentiana verna) mit schönen tiefblauen Blüten, oder der Fransen-Enzian (Gentianella ciliata) und der Deutsche Enzian (Gentianella germanica). Aufgrund der ätherischen Öle schmecken auch der Gemeine Thymian (Thymus pulegioides) und der Gewöhnliche Dost (Origanum vulgare) bitter. Durch Gifte schützen sich die attraktive Gewöhnliche Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris), die auffällige Schwalbenwurz (Vincetoxicum officinale), die Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus) und die Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias).

Die stechenden Nadeln des Gemeinen Wacholders (Juniperus communis) sind ebenso mechanischer Schutz wie die Stacheln und Dornen der Berberitze (Berberis vulgaris), des Kreuzdorns (Rhamnus catharticus), der Schlehe (Prunus spinosa), des Weißdorns (Crataegus spec.) und verschiedener Wildrosen-Arten wie die Hundsrose (Rosa carina). Gleichwohl mechanisch schützen sich der Dornige Hauhechel (Ononis spinosa) und diverse Distelarten, wie die wunderschöne Silberdistel (Carlina acaulis), die Golddistel (Carlina vulgaris), die Stengellose Kratzdistel (Cirsium acaule) und die Wollköpfige Kratzdistel (Cirsium eriophorum).

Durch dicht dem Boden anliegende Blätter oder unterirdische Speicherorgane minimieren andere Arten die Fraßschäden oder treiben zügig neu aus. Zu dieser Gruppe gehören verschiedene Wegerich-Arten (Plantago spec.), der Kleine Wiesenknopf (Sanguisorba minor), diverse Habichtskräuter (Hieracium pilosella), der Berg-Gamander (Teucrium montanum) und das Gewöhnliche Katzenpfötchen (Antennaria dioica). Ferner manche bereits weiter oben erwähnte Arten und viele Orchideenarten. Hier wären zuvorderst die Ragwurze (Ophrys) und die besonders gut an die Beweidung angepasste und extrem seltene Herbst-Drehwurz (Spiranthes spiralis) zu nennen.

Projekt

Erläuterung des Baus und schematische Darstellung

Skizze einer Wacholderheide Im Sommer 2009 habe ich mit der Anlage der Wacholderheide begonnen. Hierzu habe ich den Aushub des Hochmoorbeetes zu einem etwa 15 Meter langen und 10 Meter breiten südexponierten Hügel aufgeschüttet. Zunächst die humusreichen Anteile, darauf dann die humusarmen, lehmigen Aushubanteile. Im Winter hat sich der Hügel etwa um 30 cm gesetzt, so dass er sich an der höchsten Stelle nun etwa um 2 Meter um das umliegende Niveau erhebt. Die Neigung des Hügels beträgt in etwa 10°. Auf den Hügel habe ich als typisches Laubgehölz eine große Kornelkirsche gepflanzt, daneben mehrere Exemplare des Gewöhnlichen Wacholders. Am Nordhang habe ich darüber hinaus eine gemischte Laubhecke gesetzt.

Entwicklung

Obwohl ich noch im Herbst 2009 typische Gräser der Wacholderheiden (gesammelt auf Flächen, die nicht unter Schutz stehen!) eingesät habe, zeigten sich dieses Frühjahr vor allem typische Ruderal-Pflanzen. Um es deutlicher zu formulieren: Der Hügel war ein reiner Unkrautberg! Nun heißt es, viel Geduld aufzubringen und die Aufgabe der Schafe zu übernehmen. Also jahrelang den Hügel konsequent zu mähen und das Schnittgut abzuräumen. Hierdurch werde ich langfristig eine deutliche Abmagerung der Fläche erzielen, so dass ich in einigen Jahren mich im Versuch der Ansiedlung typischer Charakterpflanzen probieren kann.

Die Kornelkirsche zeigte bislang die Probleme, die größere Gehölze im Allgemeinen auf aufgeschütteten Flächen zeigen – nämlich permanenten Wassermangel. Es dauert Jahre bis eine aufgeschüttete Fläche eine funktionierende Kapillarwirkung zeigt, also in ausreichendem Maße Wasser aus tieferen Schichten in höhere transportiert. Daneben kann Regenwasser durch die noch mangelnde Verdichtung des Substrats wesentlich schneller in tiefere Schichten versickern. Es bleibt daher nichts anderes übrig, als regelmäßig zu gießen.

Fotos

Rohbau der Wacholderheide (im Bild links hinten) sowie der Brenne (im Bild rechts vorne), Sommer 2009.
Im Frühjahr 2010. Die ersten Pflanzen wachsen. Im Hintergrund eine Kornelkirsche.
Im Herbst 2010. Das sich ausbreitende Unkraut wurde mehrmals geschnitten und bildet einen lockeren Rasen.