Taupflanze (Roridula)

Im Überblick

Taupflanze (Roridula gorgonias).

Die präkarnivore Gattung umfasst nur zwei Arten, nämlich Roridula dentata und Roridula gorgonias, die endemisch im äußersten Südwesten von Afrika sind. Beide Arten sind ausdauernde, mehrjährige, über 1 Meter hoch werdende, verzweigte Büsche. Beide Pflanzen bilden zahlreiche Blättter, die mit verschiedenen gestielten Drüsen besetzt sind. Die Blätter von Roridula dentata sind mehrfach verzweigt, wohingegen Roridula gorgonias unverzweigte Blätter besitzt.

Fallenmechanismus

Der prinzipielle Fallenmechanismus wurde bereits auf der vorherigen Seite ausführlich beschrieben. Im Gegensatz zu den restlichen Klebefallen besteht der Klebetropfen der Roridulae nicht aus einem Polysaccharid (Mehrfachzucker), sondern basiert auf Kautschuk und ist damit über Jahrzehnte viskös. Zwar handelt es sich bei den Roridulae um hocheffektive Insektenfänger, es werden allerdings keine eigene Enzyme zu deren Verwertung produziert. Zur Nutzbarkeitmachung der Beute greifen die Pflanzen auf eine interessante Symbiose mit zwei Wanzenarten aus der Familie der Myridae (Blindwanzen) zurück. Dabei ‚besitzt’ jede Art ihrer eigene Wanzenart: Auf Roridula dentata lebt die Pameridea marlothii und auf Roridula gorgonias die Pameridea roridulae. Die Wanzen und die Taupflanzen verbindet eine vielschichtige Symbiose. Die Wanzen ernähren sich von den Insekten, die von der Taupflanze gefangen wurden. Die Beute wird angestochen und ausgesaugt. Die Ausscheidungen werden später direkt auf die Blätter gegeben, wo sie als Blattdünger dienen. Die Taupflanze kann aufgrund ihrer dünnen Zellwände einen hohen Anteil der Ausscheidungen resorbieren. Daneben spielen die Larven der Wanzen eine wichtige Rolle in der Bestäubung der Blüten. Die Wanzen profitieren in dreifacher Weise von den Taupflanzen. Sie werden von dieser ernährt, finden in den Blattachseln bei Gefahr Zuflucht und sind elementar für ihre Eiablage.

Die kompletten Mechanismen, die ein Festkleben der Wanzen auf der Taupflanze verhindern, sind abschließend noch nicht erforscht. Es existieren zu diesem Thema eine Reihe von Theorien. Zunächst bewegen sich die Wanzen mit ihren langen Beinen sehr bedächtig auf der Pflanze. Sollte sie doch einmal festkleben, so befreit sich die Wanze in Ruhe. Hilfreich sollen bei diesem Manöver feine Härchen auf dem Wanzenpanzer sein, die leicht abbrechen und somit gewissermaßen als Teflon-Beschichtung wirken. Zudem wird postuliert, dass der Speichel der Wanzen Substanzen enthält, die als Lösungsmittel wirken.

Neben den zwei symbiotischen Wanzenarten wurden in den letzten Jahren zudem drei Spinnenarten und eine weitere Wanzenart als Bewohner der Taupflanzen entdeckt. Diese Arten scheinen jedoch einen geringeren Nutzen für die Taupflanze zu haben. Vielmehr sind sie als Kommensalen anzusehen.

Kultur und Vermehrung

Taupflanze (Roridula gorgonias).

Bislang habe ich diese Gattung noch nicht in Kultur gehabt, so dass ich an dieser Stelle keine eigenen Erfahrungen einstellen kann. Beide Arten ähneln sich in ihren Kulturansprüchen ziemlich. Am natürlichen Standort steht Roridula gorgonias etwas feuchter als Roridula dentata. Während die erstgenannte Art auf moorigen Böden vorkommt, zeigt sich Roridula dentata auf trockenenen Sandböden, erreicht aber mit ihren tiefen Pfahlwurzeln tiefere, grundwasserführende Schichten. Für beide Arten ist ein sandiges Torfsubstrat (etwa 1:1 gemischt) gut geeignet. Zur Kultur sollten große und vor allem tiefe Töpfe verwendet werden. Die Roridulae wünschen sich im Sommer einen sehr hellen, lufttrockenen Standort mit regem Luftaustausch. Ein geschlossener Standort ist somit tödlich. Entweder erfolgt die Kultur im Freien oder in einem Gewächshaus mit sehr guter Luftzirkulation. Gegossen wird am besten von oben, das Substrat gleichmäßig feucht gehalten. In warmen Wochen kann die Pflanze auch in leichte Anstaubewässerung genommen werden. Die Pflanzen müssen kühl (etwa 10 °C), hell und nur leicht feucht überwintert werden.

Die Vermehrung der Taupflanze ist etwas schwieriger. Einerseits besteht die Möglichkeit, diese mittels Kopfstecklingen zu vermehren. Dazu wird eine wenige Zentimeter lange Triebspitze abgeschnitten, von den Insektenleichen und den untersten Blätter befreit und senkrecht in das Kultursubstrat gesteckt. Der Topf wird an einigen halbschattigen Standort gegeben und gleichmäßig feucht gehalten. Die Stecklinge nicht unter Glas geben oder eine Plastiktüte zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit überstülpen! Nach einigen Wochen zeigt der Steckling mit etwas Glück durch das Bilden neuer Blätter den Nachzuchterfolg an. Daneben lassen sich die Taupflanzen gut über Samen vemehren. Am Naturstandort findet die Keimung nach Buschbränden statt. Der über Jahre keimfähige Samen ist daher entsprechend als Feuerkeimer zu stratifizieren. Dabei soll Roridula gorgonias auch teils ohne Vorbehandlung gut keimen. Prinzipiell ist die Keimung bei beiden Arten unregelmäßig und kann teils Wochen oder Monate dauern. Der Samen ist Lichtkeimer, ist also auf das permanent feuchte Substrat zu legen und anzudrücken, ohne ihn jedoch zu bedecken. Die Stratifikation sollte nun folgendermaßen erfolgen: Auf die Substratoberfläche werden einige Zentimeter getrocknetes Gras gegeben und abgebrannt. Die noch qualmenden Aschereste werden anschließend mit 60 °C warmen Wasser in das Substrat eingewaschen. Durch diesen thermischen und chemischen Reiz lässt sich bei dem Großteil der Samen die Keimhemmung durchbrechen.